Die ersten Buchstaben – die Ersten Sätze – das erste Buch
Geschrieben von Carlo am 11. August 2011 | Abgelegt unter Allgemein
Lesen lernen heißt die Welt verstehen lernen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich als Kind nicht abwarten konnte, diese Fähigkeit zu besitzen. Ich dachte, dass wenn ich lesen könnte, ich den Erwachsenen ein Stück näher kommen würde.
Na ja, dass war dann wohl auch so, allerdings hatte ich dieses Stück damals ziemlich überschätzt. Spielturm statt Fernsehturm sozusagen.
Trotzdem, als Zeichen plötzlich Bedeutungen bekamen, wo vorher keine zu erkennen war, ahnte ich bereits, wie wichtig es ist, diesen Schlüssel in den Händen zu halten. Die ersten Buchstaben, die ersten Sätze. Stück für Stück setzten sich aus Lauten und Symbolen Bezeichnungen zusammen. Diese Bezeichnungen richteten sich dann nicht nur auf einzelne Gegenstände, sondern brachten sie in Zusammenhang, ohne dass ich sie ansehen musste.
Ich kann mich noch daran erinnern, als ich eines Tages krank wurde. Ich war gerade 7 Jahre alt geworden und hatte Scharlach. Zum Trost schenkte mir mein Onkel damals eine Zuckertüte. Als er und ich zum Kinderarzt fuhren, fühlte ich heftige schmerzen im Bauch. Als ich dies meinem „O“ mitteilen wollte, fiel das Wort nicht, bzw. konnte noch nicht fallen, denn ich kannte es eigentlich noch nicht. Und trotzdem sprach ich es aus, weil der Schmerz so präsent war und der Druck durch den Schmerz so groß. Ich kann mich auch daran erinnern, dass ich plötzlich verblüfft dachte: „Bauchschmerzen: Du hast ein neues Wort erfunden!“.
Ich hatte es natürlich nicht erfunden, aber zum ersten Mal etwas ausgesprochen, dass ich vorher noch nicht gehört hatte. So, oder so ähnlich geht es mir heute bei Sätzen und Büchern immer noch. Wenn auf meiner Couch liege und lese, stelle ich mir vor, wieder in einer Jugendherberge auf einem dieser Metallbetten zu liegen. Ich denke dann: “Das ist Neu. Zumindest auf neue Weise gesagt!“
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